Experten Tipps von Norbert Kilimann

Vogel-Experte aus Leidenschaft

Kilimann beobachtet und fotografiert die Wildvögel aus Leidenschaft . "Das ist ganz schön spannend, wenn man zum Beispiel zwei Rotkehlchen beobachtet, wie die sich streiten. Da geht es richtig zur Sache. Oder wenn man mit dem Fernglas die Nuancen des Gefieders betrachtet, das ist ein echter Sehgenuss."

Er wünscht sich mehr Futterplätze in der Nähe von Krankenhäusern und Seniorenheimen.

"Das wäre doch eine Bereicherung für die Menschen."

Und für Kinder sieht er in der Vogelbeobachtung eine Möglichkeit, sie an den Naturschutz heranzuführen. "Wenn sie sich dafür interessieren, wie eigentlich ein Rotkehlchen aussieht, ist doch schon viel gewonnen." Speziell für Familien bietet das Umweltfest am Haus der Natur am Sonntag, 29. September, ein attraktives Programm.


  • Warum ist die Ganzjahresfütterung von Wildvögeln sinnvoll?

    rotkehlchen-schaut-vertr-umt_800x1200Für Deutschlands bekanntesten Ornithologen Peter Berthold steht das außer Frage. "Die Fütterung ist nur ein schwacher Ausgleich dessen, was wir den Vögeln durch die Perfektion unserer Landwirtschaft weggenommen haben. Deshalb haben wir eine moralische Verpflichtung zum Füttern", sagt er im Interview mit WELT ONLINE (Link zu komplettem Interview). Gerade im Innenstadtbereich fehlt es an  Feldern und Blumenwiesen, die Nahrung für die Wildvögel bieten.

    NABU Herne: Drei Jahre Praxiserfahrung
    Die Stadt Herne im Herzen des Ruhrgebiets beispielsweise ist über 70 Prozent versiegelt und gilt mit noch 180 ha Wald als waldärmste Stadt Nordrhein-Westfalens. Der NABU Herne hat die Ganzjahresfütterung mittlerweile seit drei Jahren in der Praxis getestet. "Meiner Meinung nach macht sie Sinn", betont Kilimann, ein Naturschützer der ersten Stunde, seit 1986 beim NABU aktiv. Innerhalb eines Jahres hat er 35 Vogelarten an den Futterplätzen des NABU beobachten können, Ende Februar/Anfang März teilweise bis zu 200 Vögel gleichzeitig.

    Mehr Jungtiere, seltene Vogelarten
    "Die Forschungsergebnisse von Professor Berthold kann man nicht einfach ignorieren. Unsere positiven Erfahrungen bestätigen diese nur", betont Kilimann. So gehe in Herne die Zahl der Jungtiere stetig nach oben. Die Kohlmeisen beispielsweise hätten fast alle 12 Jungtiere. Kilimann hat sie genau beobachtet: "Sie fliegen nur für ihre Eigenversorgnung zu den Futterplätzen, für ihre Jungen gehen sie auf die Jagd." Es kämen auch nicht - wie oft von Gegnern der Ganzjahresfütterung behauptet - nur "Allerweltsvögel", sondern auch durchaus mittlerweile seltene Vogelarten wie Erlenzeisige,Birkenzeisige,Distelfinken zu den Futterstellen.

  • Wann sollte man mit der Winterfütterung beginnen?

    Wer nur im Winter füttern möchte, sollte auf jeden Fall im September damit anfangen und bis März durchhalten. Denn die Vögel müssen sich erst an einen Futterplatz gewöhnen, damit sie bei Frost und Schnee sofort wissen, wo sie suchen müssen. Kilimann macht deutlich: "So ein kleiner Vogel, der vielleicht 15 - 20 Gramm wiegt, hat nicht viele Energiereserven. Der hat morgens nur ein bis zwei Stunden Zeit um Nahrung zu finden. Wenn er in diesem Zeitraum nichts gefunden hat, erfriert er."  

  • Wie sieht ein sinnvoller Futterplatz aus?

    Wie sollte man den Vögeln das Futter reichen? Braucht man überhaupt ein Futterhaus oder kann man das Futter einfach auf den Boden zu schütten? Die optimale Lösung für alle Vogelarten gibt es natürlich nicht. Heckenbraunellen und Zaunkönige beispielsweise fressen am liebsten am Boden. Meisen, Buntspechte und Kleiber zum Beispiel fressen am liebsten an hängend befestigten und frei schwingenden Futterplätzen. Besonders beliebt bei ihnen sind die typischen Meisenknödel, Futterglocken sowie Meisenringe. Außerdem freuen sie sich über Nüsse in speziellen Futtersäckchen. Der Trend geht aber immer mehr zu Meisenknödeln ohne Netz. Diese werden einfach in Spendern angeboten.

    So wenig wie möglich Angriffsfläche für Katzen bieten
    Amseln, Sperlinge, Finken, Ammern oder Rotkehlchen bevorzugen einen fest montierten Futterplatz. Sehr beliebt für die Vogelfütterung und auch ein optischer Blickfang im Garten sind Vogelhäuser im Landhausstil zum Aufstellen oder Aufhängen. Frei aufgestellte Häuschen sollten am besten auf einem Untergrund stehen, an dem Katzen und andere Fressfeinde nicht empor klettern können. Aber man sollte bedenken, dass Katzen gut klettern und auch recht hoch springen können. Das heißt: Die Vogelhäuser am besten in etwa 120 cm Höhe aufstellen bzw. aufhängen – bei einer Entfernung von mindestens 1,50 Meter zum nächsten Baumstamm. Auch Fensterbänke, Gartenmöbel, dicke Äste usw. sollten sich nicht in unmittelbarer Nähe des Vogelhauses befinden.

    Hygiene ist wichtig: Vogelhäuser müssen regelmäßig gereinigt werden
    Bei der Innengestaltung der Vogelhäuser kommt es darauf an, dass der Abstand zwischen Boden und Dachspitze möglichst groß ist, damit sich auch scheue Vogelarten hineintrauen. Die seitlichen Einflugöffnungen dürfen aber nicht zu groß sein, sonst fressen sich Eichhörnchen und Stadttauben am Vogelfutter satt. Außerdem muss das Vogelhaus selbstverständlich regelmäßig von Vogelkot gereinigt werden.

    Möglichst freie Sicht für die Vögel am Futterplatz
    Bewährt haben sich in der Praxis auch so genannte Futtersäulen, die sich leicht hängend befestigen lassen. Hier kommt das Futter normalerweise nicht mit dem Vogelkot in Kontakt , Eichhörnchen und Stadttauben können nicht an das Futter heran.

    Kilimann empfiehlt für den Privatgarten zwei wettergeschützt untergebrachte große Futtersäulen mit jeweils sechs Sitzplätzen. Wichtig für die Vögel ist vor allen Dingen eine freie Sicht. Das heißt: Die Futterplätze sollten sich möglichst nicht an dicht bewachsenen Stellen befinden, an denen sich beispielsweise eine Katze im Gebüsch verstecken kann. Ein gewisser Abstand zum Haus beziehungsweise zur Terrasse ist hilfreich, um scheuen Vögeln den Zugang zu vereinfachen.
    Qualität entscheidet
    Auf jeden Fall sollte man auf die Qualität achten: Die Säulen mit Metallkappen halten mehrere Jahre, während Säulen mit Plastikbestandteilen schnell von Eichhörnchen zerbissen werden können.

    Tränke nicht vergessen
    Ein vogelfreundlicher Garten bietet mehr als nur Futterstellen, beispielsweise Hecken und alles, was Stacheln und Früchte trägt. Ganz wichtig ist auch eine Tränke - in der der einfachsten Variante eine Schüssel mit kaltem Wasser auf einen zirka 50 Zentimeter hohen Pfahl gestellt.

  • Welches Futter kommt bei den meisten gut an?

    Entscheidend ist die Qualität des Futters -billige Futtermischungen mit einem hohen Weizenanteil verschmähen die allermeisten Wildvögel und ziehen Tauben an. An den Futterstellen des NABU Herne fressen die Vögel am liebsten geschälte, gehackte Sonnenblumenkerne, gehackte Erdnüsse, Mehlwürmer, Fetthaferflocken, Rosinen und Hanf.

    Ein gutes Futterangebot spricht sich schnell unter den Vögeln herum
    Für den Start im Privatgarten empfiehlt Kilimann zwei Futtersäulen - eine mit geschälten Sonnenblumenkernen gefüllt, eine mit gehackten Erdnüssen, dazu Meisenknödel ohne Netz und Fettblöcke. "Nach einer Woche hat sich das Angebot bestimmt unter den Vögeln herumgesprochen und es kommen etliche Amseln und Meisen vorbei", ist sich Kilimann sicher. Manchmal braucht es auch ein bisschen mehr Geduld - vor allem, wenn in den direkten Nachbargärten schon mehrere etablierte Futterplätze bestehen.

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